Psychologie-Studium ohne NC

Um Psychologe bzw. Psychologin zu werden, muss man zunächst einmal den Bachelor (of Science) in Psychologie absolvieren, zusätzlich kann noch der Master abgeschlossen werden.

Geht der Berufswunsch in Richtung Psychologische/r Psychotherapeut/in, müssen in Deutschland ebenfalls Bachelor und Master - seit Neuestem auch im gesonderten Psychotherapie-Studiengang möglich - absolviert werden sowie eine anschließende Weiterbildung. Zur Berufsausübung berechtigen eine erfolgreich abgeschlossene psychotherapeutische Prüfung sowie die Approbation. Hat man Medizin studiert und möchte Psychotherapeut/in werden, muss zum Medizin-Studium noch eine Spezialisierung bzw. Ausbildung hinzukommen - anschließend ist man "Ärztliche/r Psychotherapeut/in".

Möchte man aber einen Bachelor-Studiengang in Psychologie belegen, kommt zunächst einmal die NC-Beschränkung der Hochschule auf einen zu. Dieser Numerus Clausus muss meistens im Einser-Umfeld liegen, ansonsten muss man sich auf viele Wartesemester einstellen.

Doch es gibt noch einen anderen Weg: Das Psychologie-Studium ohne NC. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Dann haben wir gute Nachrichten: Das ist es nicht! Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, Psychologie NC-frei zu studieren.

Psychologie-Studium ohne NC - das ist durchaus möglich!Bild: Jacob Lund / AdobeStock

Wo und wie kann man Psychologie ohne NC studieren?

Welche Möglichkeiten es gibt, um Psychologie NC-frei zu studieren, zeigen wir dir jetzt!

Tipp Nr. 1: Privathochschulen

An einer privaten Hochschule zu studieren, ist wohl der einfachste Weg, um den NC im Psychologie-Bachelor zu umgehen. Worauf sich die Studierenden hier einstellen müssen, werden wir klären. Allgemein kann man sagen, dass die Bachelor-Studieninhalte an privaten Hochschulen oft spezialisierter sind, was bedeutet, dass man zum Beispiel nicht nur den generalistischen Studiengang BWL studieren kann, sondern auch konkretere Studiengänge dieses Bereichs, wie z.B. Modemanagement oder Business Administration.

Entscheidet man sich aber für ein Psychologie-Studium ohne NC an einer Privathochschule, gibt es jedoch keine oder kaum inhaltliche Unterschiede im Vergleich zu einer staatlichen Hochschule, da dieser breite Studiengang immer viele Fächer abdeckt (Arbeitspsychologie, Biologische und Differentielle Psychologie, Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie, usw.). Einzelne Kurse und Module können im Bachelor aber natürlich etwas variieren.

Dein Psychologie-Studium kann hingegen im Aufbau anders sein, da private Hochschulen üblicherweise praxisorientierter arbeiten. Außerdem kann man seine Prüfungen an manch einer privaten Hochschule sogar sehr regelmäßig und oft pro Semester durchlaufen. Ist der Studiengang (Angewandte) Psychologie akkreditiert, ist das Studium qualitätsgesichert und der Abschluss (meist ein Bachelor of Science, B.Sc.) staatlichen Abschlüssen gleichgestellt.

Vorteile, Nachteile, Voraussetzungen

Wichtig zu beachten ist, dass die Kosten an einer privaten Hochschule höher sind als an einer staatlichen Universität. So kommen Gebühren im mittleren vierstelligen Bereich pro Semester auf die Studierenden zu. Andere Hochschulen verrechnen monatlich und haben daher Studiengebühren, die im hohen dreistelligen Feld pro Monat liegen. Die Gebühren sind hier also - im Übrigen wie bei einem Fernstudium auch - höher.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass es Förderungs- und Leistungsstipendien gibt, für die man sich bewerben kann und die die Finanzierung des Studiums leichter machen.

Eine private Hochschule kann darüber hinaus mit ein paar Vorteilen punkten. Dazu zählt, dass die Betreuung meist persönlicher ist als im nicht-privaten Universitätsfeld. Außerdem sind die Lerngruppen kleiner und das Studium ist praxisorientierter. Eine private Hochschule gibt im Bachelor üblicherweise auch den Studienplan vor, sodass man sich diesen nicht selbst organisieren muss, was für manche ebenfalls ein Vorteil ist.

NC-freie Studienangebote einer Privathochschule stellen dafür meist mehr Anforderungen an die Bewerber/-innen. Oft gibt es ein Auswahlverfahren, das aus mehreren Etappen besteht. So muss zunächst ein Gespräch geführt und daraufhin ein Test bearbeitet werden. Andere Hochschulen können auch ein Motivationsschreiben oder einen Eignungstest fordern.

Darüber hinaus gelten ähnliche Voraussetzungen wie an staatlichen Hochschulen: die allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife oder eine Berufsausbildung mit dreijähriger Berufserfahrung.

An folgenden deutschen Privathochschulen kannst du Psychologie NC-frei studieren:

Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS)
IB Hochschule für Gesundheit und Soziales
Charlotte Fresenius Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands (FHM)
HMU Health and Medical University GmbH
Hochschule Fresenius
Hochschule Macromedia
IU myStudium
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
MSH Medical School Hamburg
PFH Private Hochschule Göttingen
SRH Hochschule Heidelberg - Staatlich anerkannte Fachhochschule

Das Bachelor of Science-Psychologiestudium (B.Sc.) wird an vielen Hochschulen angeboten.  Bild: Pormezz  / AdobeStock

Tipp Nr. 2: Auslandsstudium - Im Ausland ohne NC Psychologie studieren

Tipp Nummer zwei: (Angewandte) Psychologie kann man auch im Ausland studieren und somit den NC umschiffen. Studiengänge lassen sich beispielsweise in den Niederlanden, in Italien und England, Belgien, Tschechien oder Österreich finden. Hier heißt es: Raus aus der eigenen und rein in eine andere Stadt.

Wichtig beim Studiengang ist in diesem Fall immer auch, darauf zu achten, dass er wirklich auf die praktische Arbeit vorbereitet und sich nicht nur rein auf eine spätere Arbeit in der Forschung fokussiert.

Vorteile, Nachteile, Voraussetzungen

Um an einen Psychologie-Studienplatz im Ausland zu gelangen, muss man die Voraussetzungen der jeweiligen Hochschule erfüllen. Man sollte also rechtzeitig Infos einholen, wie genau diese aussehen. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass ein Bachelor-Studiengang im Ausland oft Gespräche, Tests und/oder Motivationsschreiben erfordert. So möchte die Hochschule die Eignung feststellen.

Auch die Gebühren sind hier wieder eine wichtige Frage und variieren sehr stark, daher sollte man immer genauere Informationen bei der Wunsch-Hochschule einholen. Tschechien, Dänemark, Schweden und Norwegen haben keine Studiengebühren (teilweise zumindest für Inländer/-innen, Schweizer/-innen und EU-Bürger/-innen, in anderen Fällen aber auch für Nicht-EU-Bürger/-innen), Italien verlangt einen niedrigen bis mittleren vierstelligen Betrag pro Jahr und England einen niedrigen fünfstelligen.

Ganz allgemein gesehen, sind Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger/-innen meist deutlich höher als für Inländer/-innen und EU-Bürger/-innen.

Das Studium im Ausland kann man sich aber eventuell durch Stipendien finanzieren. Hier gibt es meist mehrere Angebote, in Deutschland ist zum Beispiel das Auslands-BaFög eine Option. Dieses erhält man unter Umständen sogar dann, wenn man keinen Anspruch auf das "normale" BaFög hat. Es ist jedoch zu beachten, dass manche Stipendien nur für einen gewissen Zeitraum gelten oder nur dann, wenn man im Ausland auch die Abschlussarbeit verfassen möchte.

Doch ein Auslandsstudium bietet viele Vorteile. Man lernt nicht nur eine neue Stadt, sondern auch eine neue Kultur (und eventuell Sprache) kennen. Außerdem kann man viele neue Erfahrungen sammeln und internationale Beziehungen aufbauen.

Ausländische Bachelor-Studiengänge der Psychologie sind darüber hinaus in der gesamten EU anerkannt, was bedeutet, dass man mit einem ausländischen Abschluss auch in Deutschland arbeiten kann. Je nach Land werden die Informationen im Studium sogar auf Deutsch vermittelt.

Das Psychologiestudium schließt üblicherweise mit dem Bachelor of Science (B.Sc.) ab.Bild: Pixel-Shot / AdobeStock

Tipp Nr. 3: Die Studienplatzklage

Möchte man (Angewandte) Psychologie studieren, wird aber von einer öffentlichen Hochschule nicht angenommen (aufgrund der Abitur-Note), kann man einen Studienplatz einklagen.

Hier wird geklärt, ob die jeweilige Hochschule mehr Psychologie-Studienplätze hätte vergeben können, als sie es getan hat. Ist das der Fall, müssen sie dich nach der Klage zum Bachelor zulassen. Das gilt jedoch nur für staatliche Hochschulen, denn in private Bildungseinrichtungen kann man sich nicht einklagen.

Die Kosten sind allerdings recht hoch, daher muss man sich überlegen, ob dieser Weg der richtige für einen ist. Mit einer Rechtsschutzversicherung können die Kosten erstattet werden, Infos dazu sollte man aber genau nachlesen.

In der Psychologie lohnt sich eine solche Studienplatzklage aber allgemein mehr als z.B. in der Medizin, da vergleichsweise nicht so viele Student/-innen klagen.

Die besten Alternativen zum Psychologie-Studium

Wenn das mit dem Psychologie-Studium nichts wird, gibt es auch eine Reihe anderer Alternativen.

Soziale Arbeit, Künstlerische Therapien und Heilpädagogik

Im Studiengang Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik beschäftigt man sich mit Menschen in schwierigen Umständen und damit, ihnen in ihrem gesellschaftlichen Leben oder in belastenden Lebensphasen zu helfen. Hier stehen neben rechtlichen und erziehungswissenschaftlichen auch soziologische und psychologische Inhalte an.

Auch ein Studium rund um Künstlerische Therapien oder Heilpädagogik stellt Menschen in den Vordergrund, um ihnen mit unterschiedlichen Maßnahmen zu einem besseren Leben zu verhelfen und sie zu unterstützen. Ersteres hat einen starken Kunstbezug (darstellend, musisch, bildend), Letzteres kümmert sich vor allem um Menschen mit Beeinträchtigungen oder Verhaltensstörungen.

Soziologie

Mag man es lieber etwas theoretischer und forschungsbezogener, ist auch die Soziologie eine Möglichkeit. Diese beschäftigt sich mit menschlichem Verhalten und Zusammenleben, mit Gruppendynamiken und mit Fragen rund um Globalisierung oder Einwanderung und deren Effekte.

Weitere Studieninhalte im Bachelor sind die Sozialstrukturanalyse, die Themen Macht und Transformationsprozesse sowie Ungleichheit. Möchte man dieses Fach studieren, werden an der Hochschule auch Elemente der Herrschaft oder solche rund um Werte und Abweichungen davon besprochen.

Gesundheitspsychologie

Anstelle eines reinen Psychologie-Studiums (Bachelor of Science) bietet manch eine Hochschule auch Studienplätze im Feld Gesundheitspsychologie an. In diesem Bachelor geht es besonders um die Gesundheit, ihre Erhaltung und ihre Förderung.

Darüber hinaus werden an der Hochschule Infos zur Prävention von Krankheiten in allen Gruppen und Altersbereichen vermittelt. Dein Psychologie-Studium bereitet dich hier auch darauf vor, Maßnahmen in diesen Bereichen und im Gesundheitsversorgungssystem zu verbessern und Projekte zu evaluieren.

Kommunikationspsychologie

Möchte man Psychologie studieren, ist aber gleichzeitig auf der Suche nach kommunikativen Elementen, kann man sich an einigen Hochschulen für einen Studienplatz in der Kommunikationspsychologie entscheiden. Hier geht es darum, die Gesprächsführung und das Verhandeln zu verbessern, Modelle der Kommunikation kennenzulernen und Konflikte zu lösen.

Inhalte, die an den Universitäten in diesem Bachelor vermittelt werden, drehen sich um die Sozialpsychologie, die Interaktion in Organisationen, die Medienpsychologie und die Psychologie der Überzeugung. Jeder angehende Psychologe und jede angehende Psychologin beschäftigt sich hier aber auch mit der Verhaltensforschung, den Medienwissenschaften und dem Content Marketing.

Medien- und Werbepsychologie

Wie der Name schon sagt, legen die Studiengänge in den Bereichen Medienpsychologie und Werbepsychologie ihren Fokus auf Medien und den Umgang der Menschen mit ihnen. Dabei geht es auch darum, wie dieser Umgang erlebt wird und wie sich Menschen verhalten.

Die Medienwirkung (in Bezug auf das Verhalten, die Kognition und die Emotionen) bei Individuen, aber auch bei Gruppen wird an den Universitäten ebenfalls thematisiert, genauso wie die Kommunikationspsychologie, die Mediennutzung und die Persönlichkeitspsychologie.

In dem Psychologie-Bachelor werden darüber hinaus Infos zur Wahrnehmung, zur Informationsverarbeitung, zur Massenkommunikation und zur Individualkommunikation vermittelt.

BWL mit Psychologie-Schwerpunkt, Wirtschaftspsychologie

Ein Studienplatz in einem BWL-Studiengang, der gleichzeitig einen Schwerpunkt auf die Psychologie (meist die Wirtschaftspsychologie) legt, ist sehr wirtschaftswissenschaftlich orientiert. So werden an der Hochschule im Bachelor die Themen Produktionsmanagement, Marketing, Bankenwesen, Finanzierung, Logistik, Controlling, (internationales) Management und Konsumentenverhalten angesprochen.

Der Psychologie-Schwerpunkt beschäftigt sich oft mit Persönlichkeitsunterschieden, der Sozialpsychologie, kulturellen Aspekten und Intelligenz. Die Arbeits- und Organisationspsychologie wird im Bachelor ebenfalls behandelt, genauso die Wirtschaftspsychologie und die Marktpsychologie.

Gerontologie

Die Alterswissenschaft erscheint auf den ersten Blick vielleicht nicht so, als wäre sie ein Ersatz für ein Psychologie-Studium, denn man würde sie vielleicht eher dem medizinischen Feld zuordnen.

Doch hier geht es nicht nur um Krankheiten, die in dieser Lebensphase auftauchen können, oder um die Gedächtnisleistung. Vielmehr wird an der Hochschule auch vermittelt, wie sich Menschen mit fortschreitendem Alter verhalten oder wie sie sich selbst sehen.

Neben diesen psychologischen Aspekten werden auch soziologische und solche der Kultur aufgegriffen. Man stellt sich also beispielsweise die Frage, wie ältere Menschen gesellschaftlich integriert werden. Ein Bachelor dieser Art vereint also einen Mix mehrerer Fachbereiche - auch aus dem der Psychologie.

Egal in welcher Stadt - Ein Psychologiestudium hat einen sehr hohen NC.Bild: Patrick Daxenbichler / AdobeStock

Warum sind diese Alternativ-Studiengänge gut?

Studiengänge dieser Art können gute Alternativen zum klassischen Psychologie-Studium sein, da man hier psychologische Komponenten in ganz bestimmten Zusammenhängen untersucht und sich somit von vornherein genauer spezialisiert. Weiß man also beispielsweise schon, dass man beruflich in Richtung Werbung gehen möchte oder man interessiert sich neben der Psychologie auch für Medien, kann man sich direkt für den konkreteren Werbe- und Medienpsychologie-Studiengang entscheiden, der beide Interessen vereint oder mehr der beruflichen Wunschrichtung entspricht.

Inwieweit sich ein Alternativ-Studium mit dem der Psychologie überschneidet, hängt natürlich von dem jeweils gewählten Bachelor ab. Jedoch geht es oft um menschliches Verhalten, Maßnahmen zur Lebens-/Situationsverbesserung, um Individuen sowie Gruppen und um eine angemessene Kommunikation. Kulturelle Elemente und die Sozialpsychologie sind weitere Themen, die man in den Bachelor-Studiengängen oft finden kann.

Die Zulassungsvoraussetzungen der Hochschulen sind auch hier natürlich von Hochschule zu Hochschule sowie von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich. Alles in allem kann man aber sagen, dass man die Hochschulzugangsberechtigung braucht, manchmal gibt es Aufnahmeverfahren (z.B. ein Gespräch) und/oder man muss ein Motivationsschreiben mitschicken. Die Anforderungen für einen solchen Bachelor sind also denen anderer Studiengänge sehr ähnlich.

Und das größte Plus im Vergleich zu einem klassischen Psychologie-Studium: Die Alternativ-Studiengänge kann man auch ohne Einser-NC leicht absolvieren, denn der NC ist nicht so hoch (oder gänzlich uninteressant).

FAQ

Wie ist der NC bei Psychologie?

Der NC schwankt von Standort zu Standort sowie abhängig von den Hochschulen und dem jeweiligen Semester. Ganz allgemein liegt der NC aber fast immer im Einser-Bereich.

Was ist so ähnlich wie Psychologie?

Soziale Arbeit/Sozialpädagogik, Soziologie, Gesundheitspsychologie, BWL mit Psychologie-Fokus, Medien- und Werbepsychologie sowie Kommunikationspsychologie können Alternativen zum normalen Psychologiestudium sein.

Wie viele Wartesemester braucht man für Psychologie?

Die Wartezeit ist abhängig vom NC, der nicht konstant gleich bleibt, und von den Hochschulen. Daher ist es schwer, hier pauschale Antworten zu geben. Dreieinhalb bis sechseinhalb Jahre sind bei Psychologie jedoch keine Seltenheit.